Fehler bei der Gehaltsabrechnung. Ist es für Ihre Mitarbeiter wichtig, wie hoch das Gehalt ist?

Fehler bei der Gehaltsabrechnung. Ist es für Ihre Mitarbeiter wichtig, wie hoch das Gehalt ist?

 

Bei steigenden Löhnen und einer Knappheit an qualifizierten Fachkräften in vielen Bereichen in ganz Europa sollte man davon ausgehen, dass die Beschäftigten ihren Wert kennen.

Doch gemäß der aktuellen vierten Auflage der ADP Studie The Workforce View in Europe  würde es ein Viertel der Mitarbeiter nicht bemerken, wenn sie falsch bezahlt würden. Im Rahmen der ADP Studie wurden über 10.500 Beschäftigte in acht Ländern befragt. Ein Ergebnis: Eine große Anzahl der Befragten überprüfen ihre Gehaltsabrechnungen entweder gar nicht oder verstehen nicht genau, wie hoch ihr Gehalt ist.

Die Unkenntnis ist bei jüngeren Mitarbeitern noch größer, wobei 34% der Altersgruppe von 16-34 nicht wissen, wie viel Geld auf ihr Bankkonto überwiesen werden sollte. Bei den Beschäftigten über 55 Jahren liegt dieser Wert bei nur 19% – was aber immer noch zu hoch für eine Generation ist, die bald in Rente geht und sorgfältig auf Renten- und andere Leistungen achten sollte. 81% der Beschäftigten in Deutschland sind tatsächlich über die Aussicht eines höheren Renteneintrittsalters besorgt. (Deutsche Arbeiter sind auch am häufigsten davon betroffen, dass sich ihre beruflichen Verantwortungen verändern.)

Arbeitnehmer sollten ihre Gehaltsabrechnung unbedingt überprüfen, da Fehler Folgen wie diese haben könnten:

  • Rückzahlung von zu viel gezahlten Geldern oder Warten auf zu wenig gezahlte Gelder,
  • Gerichtsverfahren,
  • Probleme bei der Beantragung von Hypotheken und Darlehen,
  • ein unerwarteter Steuerbescheid,
  • Probleme mit der Rente,
  • Zweifel bei Mutterschafts- oder Vaterschaftsurlaub,
  • nicht gewährte Visa-Anträge.

Zum Glück sind Fehler bei der Gehaltsabrechnung äußerst selten, die Beschäftigten sollten ihre Gehaltsabrechnung und ihre Abzüge aber dennoch verstehen. Mit zunehmender flexibler Arbeit und vielen Unternehmen, die nach neuen Arbeitsweisen suchen, müssen die Arbeitnehmer verstehen, wie Änderungen am Arbeitsplatz sie in Zukunft betreffen könnten.

Eine Sechs-Tage-Arbeitswoche?

Schon immer seitdem durch die europäische Arbeitszeitrichtlinie im Jahr 2003 die Arbeitswoche auf 48 Stunden reduziert wurde, hat man versucht, die Arbeitszeiten zu verkürzen. Die Franzosen haben eine 35-Stunden-Arbeitswoche eingeführt, das deutsche Bundesarbeitsministerium hat es Arbeitgebern verboten, den Mitarbeitern außerhalb der Arbeitszeiten E-Mails zu schicken und über die Hälfte aller Beschäftigten in den Niederlanden arbeiten mittlerweile Teilzeit.

Trotzdem, oder vielleicht auch wegen der kürzeren Arbeitswochen, so ein Ergebnis der Workforce View in Europe 2019, leisten jetzt 60% der Beschäftigten unbezahlte Überstunden. Die befragten Arbeitnehmer in Europa schätzen, dass sie durchschnittlich fast fünf zusätzliche Stunden pro Woche unbezahlt arbeiten, 12% sagen, dass es sogar über 10 Stunden pro Woche sind, wobei auch in der Mittagspause, spät am Abend oder am Wochenende gearbeitet wird. Unbezahlte Überstunden sind bei jungen Beschäftigten sogar noch häufiger, denn 17% der 16 bis 24 Jahre alten Arbeitnehmer sagen, dass sie mehr als zehn unbezahlte Arbeitsstunden pro Woche leisten.

Oder eine Vier-Tage-Arbeitswoche?

Natürlich ist es für die Beschäftigten wichtig, wie viel sie verdienen (insbesondere in Italien, wo sich 21% unterbezahlt finden), selbst wenn sie ihre Gehaltsabrechnungen nicht immer ganz verstehen. Viele Beschäftigte interessieren sich auch für die Gehälter anderer, wobei 27% der Meinung sind, dass geschlechtsspezifische Lohnunterschiede in ihrem Unternehmen gemeldet werden sollten.

Für viele europäische Beschäftigte ist jedoch auch das Gleichgewicht von Berufs- und Privatleben wichtig und sie legen Wert auf ihre Freizeit – oder sie würden gerne mehr Zeit für ihre Familien haben. Über die Hälfte der europäischen Beschäftigten würden eine Vier-Tage-Woche bevorzugen – und dreizehn Prozent würden sogar zufrieden sein, wenn dies ein reduziertes Gehalt bedeuten würde. Allerdings würde ein erheblich größerer Anteil (44%) ein gleichbleibendes Gehalt bevorzugen. 

Unabhängig davon, ob mehr Unternehmen eine Vier-Tage-Woche einführen, gibt es keine Zweifel, dass der Arbeitsplatz immer flexibler wird. Dies belastet die Mitarbeiter aus der Gehaltsabrechnung noch mehr, denn die Arbeitsstunden und Arbeitszeiten könnten sich von einem Zahltag zum nächsten ändern. Moderne Abrechnungssysteme sind eher in der Lage, mit solchen Änderungen fertig zu werden. Wenn Beschäftigte jedoch schon heutzutage Verständnisprobleme mit ihren Abrechnungen haben, wird es für sie in Zukunft vermutlich noch schwieriger. 

Wenn die Beschäftigten nicht verstehen, wie sie bezahlt werden, könnte dies auch Gespräche über Änderungen der Arbeitspraktiken erschweren. Ist es nur die Aufgabe der Personalabteilung, zu überprüfen, ob Beschäftigte die Angaben zu ihren Gehältern, Abzügen und Leistungen verstehen? Oder ist es an der Zeit für die Beschäftigten, die Art und Weise zu überdenken, wie Gehaltsabrechnungen präsentiert werden? Vielleicht sollten wir die Beschäftigten in unseren eigenen Unternehmen nach ihrer Meinung fragen.

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