Arbeitnehmer bevorzugen Festanstellungen trotz schnell wachsender Gig-Economy

 
  • 81% der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden eine Festanstellung einer Tätigkeit als Freiberufler oder Vertragsarbeiter vorziehen  
  • Unabhängige Selbstständige in Deutschland sagen eher als in anderen Ländern Europas, dass sie keine gute klassische Stelle finden können (45%)
  • 42% der Arbeitnehmer sind der Auffassung, dass sie in der Gig-Economy nicht genug verdienen würden, um komfortabel leben zu können

[Neu-Isenburg] – [23. September 2020] – Die meisten Arbeitnehmer (81%) würden eine Festanstellung einer Tätigkeit als Freiberufler oder Vertragsarbeiter vorziehen, auch wenn die Gig-Economy[1] in den letzten Jahren rapide gewachsen ist, wie die Untersuchungen der Workforce View Studie 2020 – Teil 1 vor COVID-19 des ADP® Research Institute zeigen.

Viele Arbeitnehmer sind der Meinung, dass sie in einer Festanstellung bessere Möglichkeiten haben in Bezug auf finanzielle Sicherheit (71%), Jahreseinkommen (56%), Kreditwürdigkeit (68%), Spaß an und Kontrolle über die Art der Arbeit (42% bzw. 48%), persönliche Entwicklung (46%) und die Vereinbarkeit von Beruf und persönlichen/familiären Anforderungen (50%). Lediglich in Hinblick auf Flexibilität bewertet ein Großteil der Arbeitnehmer (45%) die Bedingungen in der Gig-Economy besser als in einem klassischen unbefristeten Arbeitsverhältnis.

Gig-Economy-Arbeitnehmer sind positiv gestimmt, doch die Arbeitsbedingungen sind hart

Erfreulich ist, dass die Vertragsarbeiter stark von ihren Fähigkeiten überzeugt sind (90%) und optimistischer auf die nächsten fünf Jahre schauen als klassische Mitarbeiter (87% gegenüber 82%).

Zudem sagen Gig-Economy-Arbeitnehmer viel häufiger als Mitarbeiter in einer Festanstellung, dass es ihre Tätigkeit vor fünf Jahren noch nicht gegeben hat (29% gegenüber 11%). Sie sind außerdem öfter der Meinung, dass es ihre derzeitige Rolle in fünf Jahren nicht mehr geben wird (25% im Vergleich zu 8%). Dennoch sind 52% der unabhängigen Selbstständigen zuversichtlich, dass sie in fünf Jahren mehr Auswahlmöglichkeiten haben werden, wie und wo sie arbeiten, während nur 41% der regulären Arbeitnehmer dieser Auffassung sind.

Im Vergleich zu ihren angestellten Kollegen sind Freiberufler jedoch mit herausfordernden Arbeitsbedingungen konfrontiert:

  • Mehr unbezahlte Überstunden: Vertragsarbeiter geben an, im Durchschnitt fast doppelt so viele Arbeitsstunden pro Woche unentgeltlich zu arbeiten (6,5 Stunden) wie Arbeitnehmer in einer Festanstellung (3,8 Stunden). Mehr als jeder Zehnte (11%) macht wöchentlich 11 bis 15 unbezahlte Überstunden, während nur 3% der regulär Beschäftigten das Gleiche sagen.
  • Größerer Druck: 12% der Freiberufler fühlen sich für die Inanspruchnahme flexibler Arbeitsregelungen negativ beurteilt im Vergleich zu 7% der klassischen Arbeitnehmer. Genauso viele Auftragnehmer wie klassische Beschäftigte melden außerdem, dass sie sich als Mitarbeiter schuldig fühlen, flexible Arbeitsmodelle zu nutzen (9%).
  • Verspätete Bezahlung: 21% der Vertragsarbeiter berichten, dass sie manchmal zu spät bezahlt werden, was zu Stress und unbezahlten Rechnungen führt. Nur 5% der regulär Beschäftigten melden das Gleiche.
  • Vermehrte Diskriminierung am Arbeitsplatz: 43% der unabhängigen Selbstständigen haben sich schon einmal am Arbeitsplatz diskriminiert gefühlt im Vergleich zu 27% ihrer angestellten Kollegen. Als häufigster Grund zur Benachteiligung am Arbeitsplatz wird in der Gig-Economy das Alter genannt (14%), gefolgt von Geschlecht (12%) und Hintergrund (7%).

Steven van Tuijl, General Manager Deutschland und Polen von ADP, kommentiert:

„Trotz allem, was die Gig-Economy zu bieten hat, muss die Mehrheit der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen erst noch von den Vorteilen überzeugt werden. In unsicheren Zeiten ist die Struktur, die feste Stellen bieten, sehr attraktiv. Da aktuell jedoch für so viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen flexibles Arbeiten aus der Ferne die Norm geworden ist, bleibt es abzuwarten, ob die Attraktivität der Gig-Arbeit durch den Wunsch nach einer noch größeren Freiheit in der Arbeitsgestaltung zunimmt.

Auch eine Veränderung der Arbeitsplatzsicherheit könnte eine Rolle spielen. Die Sicherheit, die unbefristete Festanstellungen augenscheinlich bieten, wird nicht mehr unbedingt als gegeben wahrgenommen, da die Arbeitslosigkeit in vielen Bereichen zunimmt. Manche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer könnten es in Betracht ziehen, für mehr als einen Arbeitgeber zu arbeiten, um ihr Einkommen auf mehrere Quellen aufzuteilen und das Risiko, arbeitslos zu werden, zu reduzieren.

Viele Auftragnehmer und Auftragnehmerinnen finden die Art und Weise, wie sie arbeiten, sehr lohnend und ihre Zukunftsaussichten sind ermutigend positiv. Unsere Ergebnisse legen jedoch nahe, dass dies nicht immer ein einfacher Weg ist. Unternehmen, die Vertragsarbeiter einsetzen, könnten die Motivation fördern, indem sie sicherstellen, dass sie über geeignete HR- und Gehaltsabrechnungssysteme verfügen, um sie genau wie jedes andere Teammitglied zu beaufsichtigen und zu unterstützen.“

Daten und Methodik

Die Workforce View 2020 befasst sich mit den Einstellungen der Mitarbeiter zur heutigen Arbeitswelt und ihren Erwartungen und Hoffnungen für den Arbeitsplatz der Zukunft. Das ADP® Research Institute hat zwischen dem 29. Oktober 2019 und dem 6. Januar 2020 32.442 Arbeitnehmer aus aller Welt befragt:

  • 15.274 in Europa (Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Polen, Spanien, Schweiz und Großbritannien)
  • 3.811 in Nordamerika (USA und Kanada)
  • 5.723 in Lateinamerika (Argentinien, Brasilien und Chile)
  • 7.634 im Asien-Pazifik-Raum (Australien, China, Indien und Singapur)

Die Umfragen wurden online in der jeweiligen Landessprache durchgeführt. Die globalen Ergebnisse sind gewichtet, damit sie die Größenordnung der arbeitenden Bevölkerung in jedem Land berücksichtigen.

Da die Forschung vor dem weltweiten Ausbruch von COVID-19 durchgeführt wurde, spiegeln die Ergebnisse nicht die Ansichten über die möglichen Auswirkungen wider. Das ADP® Research Institute führte eine zusätzliche Umfrage zu den wichtigsten Themen durch. Beide Teile der Studie finden Sie unter de-adp.com/wfv2020.

Über ADP (NASDAQ – ADP)

Mit innovativen Produkten und mehrfach ausgezeichneten Services gestalten wir eine zukunftsfähige Arbeitswelt, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber dabei unterstützt, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. HR, Talentmanagement, Payroll und Compliance – datengestützt und für Menschen entwickelt. ADP – Always designing for people. Weitere Informationen finden Sie unter www.de-adp.com.

ADP, das ADP-Logo und ADP® Research Institute sind Marken von ADP, Inc. Alle anderen Marken sind Eigentum der jeweiligen Inhaber. Copyright © 2020 ADP, Inc.

Ein Foto von Steven van Tuijl steht hier zum Download zur Verfügung.

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[1] Der Begriff „Gig Economy“ wurde in den letzten Jahren häufiger verwendet, um insbesondere Plattformen wie Uber und Deliveroo zu beschreiben, die es Auftragnehmern ermöglichen, flexibel zu arbeiten und einzelne Aufträge bzw. „Gigs“ anzunehmen, die in ihr Leben passen. Der Begriff bezieht sich jedoch auch auf die größere Gruppe von Auftragnehmern und Freiberuflern, die in den verschiedensten Branchen auf flexibler Basis tätig sind. Diese Gruppe ist im vergangenen Jahrzehnt gewachsen.